Mittwoch, 26. November 2014

[Gedanken] über …

 

Organspende!

 

Organ

 

Bei einer meiner letzten OPs wartete ich vor dem OP darauf das es los ging.
Ohne Brille ist man auf die Ohren angewiesen und ein paar Betten weiter, verabschiedete sich eine Frau von ihrem Mann.
Sie waren in der Nacht aus dem Sauerland angereist, weil der rettende Anruf:
“Wir haben endlich eine Niere für Sie!”, das Paar erreichte.
Etliche Jahre Dialyse sollten ein Ende haben … und am Ende stand hoffentlich das Leben!

Aber da wo Organspende ist, ist erst mal der Tod!
Jemand muss sterben, damit ein anderer leben darf … und bestenfalls, hat sich jemand irgendwann einmal Gedanken darüber gemacht.

Nach den letzten Organspendeskandalen in vier Transplantasionszentren sank die Spendenbereitschaft weiter drastisch!
Einerseits verständlich, anderseits haben die transplantierten Organe ihren Zweck erfüllt, “nur” haben sie die “falschen” Patienten erhalten.

Auch ich verurteile die Vorgehensweise der Kliniken, anderseits wenn ich mir vorstelle, dass mein Leben oder das meiner Liebsten am seidenen Faden hängt und plötzlich wäre ein Organ verfügbar, würden wir uns dann wirklich fragen, ob und wieso wir gerade jetzt das Organ bekommen!?
Vermutlich nicht! Man würde endlich wieder Licht sehen, am Ende des Tunnels …

TROTZDEM:
Es darf keinen Organhandel und keinen Transplantationstourismus geben!
Außerdem dürfen soziale Kriterien (gesellschaftliche Stellung etc.)  oder Wohlstand nicht über ein Organ entscheiden!

Aber es warten über 10.000 Menschen auf ein Organ, nur in Deutschland!
Teilweise über Jahre oder bis in den Tod!

Jenke von Willmsdorf hat Anfang November eine Kampagne gestartet, er will 100.000 neue potentielle Organspender gewinnen. 20.000 hat er bereits geschafft!

Ich habe mich bereits vor Jahren FÜR eine Organspende entschieden.

Die Entscheidung dafür oder dagegen, sollte getroffen werden.
Ich halte es nur fair meiner Familie gegenüber, dass ich selber die Entscheidung treffe und sie nicht, im Falle eines Falles, meinen Tod betrauern und auch noch eine Entscheidung über eine Organentnahme treffen müssen!

Ich stelle im Freundes- und Kollegenkreis immer wieder fest, dass Krankheit und Tod ein Tabuthema ist.
Ein Thema dem man sich erst stellt, wenn es einen aktuellen Anlass gibt.
So wie ich seit vielen Jahren den Spenderausweis habe, so haben wir natürlich auch alle Unterlagen wie Patientenverfügung, Pflegeverfügung etc. deponiert.
Wir hoffen immer, dass wir diese Unterlagen erst in sehr vielen Jahren benötigen, aber ein Unfall kann jeden von uns ereilen …

 

Solltet Ihr jetzt nachdenklich geworden sein und Ihr habt noch keinen Organspendeausweis,
dann ist vielleicht jetzt die Gelegenheit, sich Gedanken zu machen, pro und contra abzuwägen.

Ihr habt die Möglichkeit auf der Rückseite des Ausweises Angaben zu tätigen:
- generelle Zustimmung
- Zustimmung nur für bestimmte Organe
- KEINE Zustimmung
- Name, Adresse für den Menschen, der es entscheiden soll

Danach nur noch ab damit in die Geldbörse und ihr könnt Eure Entscheidung jederzeit rückgängig machen und den Ausweis ggf. neu ausdrucken.

Ausweise bekommt Ihr bei Eurer Krankenkasse oder online: KLICK


***

Und ab dem nächsten Posting wird es hier hoffentlich nur noch besinnlich und vorweihnachtlich einher gehen,
aber dieser Beitrag lag mir schon lange am Herzen und nachdem ich vorgestern im TV wieder einen Beitrag zum Thema Organspende gesehen habe, war er längst fällig!

Wir lesen uns am Freitag wieder mit dem Freitags-Füller

 

Kommentare:

  1. Liebe Andrea,
    man muss es wirklich heutzutage akzeptieren, dass alles, wirklich alles über's Geld geregelt wird. Also auch der "Handel" mit Organen. Missbrauch gibt es überall!
    Dennoch sollte das kein Grund sein, keinen Spenderausweis zu besitzen. Denn das ist doch das einzige was man tun kann, was man entscheiden kann und wo man evt. wirklich helfen kann.
    Im Prinzip also eine echt gute Sache!!!

    Liebe Grüße
    moni

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  2. zum glück ist die gesetzes lage in österreich da anders! bei uns muss man sich schriftlich gegen eine organentnahme aussprechen, ansonsten steht man automatisch als organspender "zur verfügung". und nachdem ich meine organe nicht mehr brauche, wenn ich gestorben bin, kann sie gerne jemand haben, dem ich damit ein besseres leben ermögliche.

    lieben gruß, susi

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    1. Ich finde diese Lösung super und sehe es genauso, vllt hilft es noch jemanden, der dadurch weiter leben kann!

      Lg
      Andrea

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  3. Ein sehr wichtiges Thema, Andrea! Ich bin seit 24 ½ Jahren Organspender und von mir aus kann alles, aber auch wirklich alles von mir verwertete werden, was noch irgendjemand helfen kann. Wenn ich tot bin, kann ich ja sowieso nichts mehr damit anfangen.
    Wünschen würden ich mir die Regelung aus Österreich, Belgien, etc. auch, aber ich fürchte, das wird es in Deutschland wohl nicht geben.
    Besonders schlimm finde ich die Ansicht, kein Organ spenden zu wollen, aber bitte sofort eins für sich zu bekommen, wenn es mal nötig ist.

    Hoffentlich denken viele Menschen noch einmal wirklich darüber nach, denn so viele Menschen müssten nicht leiden und sogar sterben, wenn es mehr Organspender gäbe!

    Die Idee, Organspende ich einen Blogbeitrag zu packen, finde ich gut. Wenn Du nichts dagegen hast, werde ich das für nächste Woche auch mal mit einplanen, natürlich mit einem Link zu Deinem Beitrag hier.

    Hab noch einen schönen Abend,

    Tina

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  4. Tina, warum sollte ich etwas dagegen haben?
    Mach ruhig!


    Ich finde, man kann auch einmal so ein Thema thematisieren.

    Lg
    Andrea

    Lg
    Andrea

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    1. Na, ich will ja keine Themen klauen. ;) Da frag ich dann lieber vorher. :)

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  5. Na, das hat ja nix mit klauen zu tun, liebe Tina!

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  6. ein schwieriges Thema, sei herzlich gegrüßt, Klaus

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  7. Hallo liebe Andrea,
    ein absolut wichtiges Thema, welches man/frau nicht vergessen sollte. Danke, dass Du daran erinnerst.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Viele liebe Grüße, Synnöve

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  8. Ich bin seit über 30 Jahren potentieller Organspender, habe aber inzwischen nach einigen persönlichen Erfahrungsberichten den Zusatz "nur unter Vollnarkose" ergänzt. Auch wenn man Berichte über Explantationen liest, ist dies immer wieder ein Diskussionsthema, bei dem man die Aussagen mit dem jeweiligen Beruf oder der Organisation dringend hinterfragen sollte.

    Liebe Adventsgrüße
    Arti

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  9. Ich finde die Lösung on Österreich viel viel besser.
    Hier scheuen sich viele diese Unterlagen auszufüllen und wenn sie widersprechen müssten würde sie sich auch scheuen, da ja Aufwand betrieben werden muss ;)

    Ich sehe es so, dass ich diese Organe nach dem Tode nicht mehr benötige, dafür benötigt vielleicht jemand anderes dieses Organ dringend zum Überleben. Zudem möchte ich (bzw. wir) eh eingeäschert werden und auf einem Friedwald beigesetzt werden.

    Ja, wenn es um Tod geht machen einige dicht. Mit meiner Mutter (68) habe ich da letztens auch drüber gesprochen was sie sich eigentlich danach wünscht. Denn von einer ihrer Bekannten der Mann wollte auch so in einem Wäldchen beigesetzt werden und das haben seine Kinder nicht gemacht (seine Frau wollte dies gerne wohl, jedoch mussten die Kinder die Kosten tragen *achja* ) . Das finde ich sehr sehr traurig, denn es ist ja schließlich der letzte Wunsch.

    LG
    Marlene

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Lieben Dank, dass Du Dir Zeit für mich genommen hast!